Schulleben in Zeiten von Corona

Keiner darf verloren gehen

1. Phase (3 Wochen bis zu den Osterferien): Verwirrung und Ungewissheit

Als am Freitag, den 13. die Schulleitung aufgrund des Corona-Virus eine Schulschließung ankündigte, hatte noch keiner am SFZ eine Ahnung davon, was da alles auf sie zukommen wird. So dachten manche Schüler und Schülerinnen vielleicht schon an vorzeitige Ferien. Manche Lehrkräfte sahen vielleicht eine Chance, all jene Dinge voranzubringen, die sonst auf der Strecke bleiben. In Arbeitskreisen wurden Formulare angeglichen, Erziehungskonzepte neu justiert, digitale Konzepte recherchiert, Förderpläne weitergeschrieben, Testwände aus Plexiglas hergestellt (siehe Foto) und vieles mehr. Die ersten Videokonferenzen unter Kollegen starteten, der Austausch der Materialien über eine Plattform gelang und auch die Schülerschaft wurde mit Arbeitsaufträgen teilweise über digitale Medien versorgt. Schon hier erfuhr die Digitalisierung am SFZ Dachau einen großen Schub nach vorne. Die neue Herausforderung der Lehrkräfte bestand vor allem darin, keinen Schüler in den Ferienmodus abdriften zu lassen, was sich als gar nicht so einfach herausstellte.

2. Phase (nach den Osterferien): "Kampf" - keiner darf verloren gehen

Das Lernen zuhause (Homeschooling) ging in die zweite Runde. Kreativität war jetzt gefragt. Nicht jede Familie kann dafür die Grundvoraussetzungen wie Computer oder Drucker bieten. Häufig ist nicht einmal ein Internetanschluss vorhanden. Die Lehrkräfte entwickelten folglich die unterschiedlichsten Ideen, damit alle (wenn auch in unterschiedlichem Umfang) zu Hause lernen konnten. Hier einige Beispiele: Briefumschläge mit zahlreichen Arbeitsblättern, Wochenplänen und Elternbriefen (per Post oder selbst ausgefahren), Telefonsprechstunden, wöchentlicher Rundruf, Erklärvideos, Gespräche über das Müllhäuschen, Bankerlunterricht zu einem festen Termin (siehe Foto), täglicher Whatsapp- und Skypeunterricht, Walk-and-Talk Spaziergänge, Sprechstunden vor dem Schulhaus, Treppenhausgespräche bei schlechtem Wetter, Lernplattformen wie Leseludi, Anton, Pflanzaktionen mit Samen für zuhause uvm. Das alles und noch viel mehr wurde (und wird immer noch) getan, um den Kontakt zu den Schülern und Schülerinnen nicht zu verlieren. Allen ist klar, dass keiner bei dem ganzen Pandemie-Unterricht verloren gehen darf.

Der Schulbriefkasten lief heiß, weil ein Großteil der bearbeiteten Arbeitsblätter eingeschmissen wurde. Die Lehrkräfte korrigierten fleißig und verschickten wiederrum individuelle Feedback-Bögen, um die Bemühungen der Schüler und Schülerinnen anzuerkennen und die fehlende direkte Rückmeldung irgendwie zu ersetzen.

Auch Hilfen für die Eltern, die sich in dieser Phase in der Lehrerrolle wiederfanden (mussten), kamen nicht zu kurz. Es wurde einiges erwartet von Eltern, die vielleicht nebenher weiterhin arbeiten gehen oder Geschwisterkinder betreuen mussten. Nicht nur die Mehrfachbelastung, sondern auch das Mittragen der Umsetzung von digitalisiertem Unterricht stellte sie vor eine große Herausforderung. Da kann schon einmal aus Versehen das gebastelte Muttertagsgeschenk wieder mit zurück an die Schule geschickt werden.

3. Phase (Mai): Wiederaufnahme des Schulbetriebs - Ernüchterung

Die Lehrkräfte freuen sich nicht weniger als die Schüler und Schülerinnen auf den Präsenzunterricht vor Ort. Alle sehnen sich nach Normalität. Allmählich kehrt wieder Leben ins Schulhaus ein und die Klassen dürfen nach und nach wieder im Klassenzimmer lernen. Ernüchterung tritt ein, als allen die Bedeutung der Vorgaben bewusst wird. Abstandsregel, am Platz sitzen bleiben, nur Frontalunterricht uvm. - wie soll das am SFZ funktionieren? So fühlt sich aktuell wohl jede Lehrkraft wie ein Schreiner ohne Säge oder ein Schneider ohne Nähmaschine. Ohne das soziale Miteinander mit Körperkontakt, ohne Rhythmisierung, ohne soziale Unterrichtsformen sind sie ihrer wichtigsten Werkzeuge beraubt.

In der 2. Phase wurde es deutlich, in der 3. zur Gewissheit: Digitalisierung hilft und Homeschooling geht eine Zeit lang schon irgendwie – aber die Grundlage der Sonderpädagogik am SFZ ist die persönliche Bindung, die Beziehung zum Kind.