Unser Gespräch mit dem Überlebenden Herrn Witold Scibak in der Realschule Vinzenz von Paul im Kloster Indersdorf

 

 Witold Scibak

 

(Ermal, Chalat)

Am Dienstag, den 26.04.2016, sind wir 11 Schüler der Klasse 6a, mit dem Bus nach Markt Indersdorf in die Realschule Vinzenz von Paul im Kloster Indersdorf gefahren. Begleitet wurden wir von den Schulleiterinnen Frau Oswald-Kammerer und Frau Wilfurth sowie Frau Fleischer, Herrn Langenegger und unserer Klassenlehrerin Frau Rundel. Nachdem wir angekommen sind, wurden wir von vier Schülern aus der 9. Klasse in zwei Gruppen aufgeteilt und durch das Schulhaus geführt. Sie erklärten uns alles sehr gut.

In der Schule
Danach sind wir in den Musiksaal gegangen und haben dort Witold Scibak und die 9.Klasse der Realschule getroffen. In einer Klasse sind 30 Schüler! Herr Scibak war nicht alleine da, sondern wurde von seiner Enkelin begleitet. Da ein Schüler aus unserer Klasse polnisch spricht, konnten wir ihn auf seiner Muttersprache begrüßen.

Herr Scibak hat uns erstmal begrüßt und danach hat er angefangen, über sein ganzes Leben zu erzählen. Es war sehr traurig, zuzuhören und wir alle mussten mit Witold Scibak mitfühlen.

 

Gespräch

Er hat viele unserer Fragen beantwortet und er hat uns erzählt, dass er keine Freunde im KZ hatte. Dafür hat er noch heute Kontakt zu Jugendlichen, die er bei Greta Fischer kennengelernt hat! Wenn er uns angesprochen hat, hat er uns als ‚Freunde‘ bezeichnet.

Weil Herr Scibak kein Deutsch, sondern nur Polnisch spricht, war ein Dolmetscher da und hat alles übersetzt, was Witold Scibak gesagt hat.

Am Ende des Gesprächs hat er uns allen gewünscht, dass wir nie etwas so Schlimmes erleben müssen wie er. Er sagt, dass dies gelingen kann, wenn wir uns als große Menschenfamilie sehen – ganz egal woher wir kommen.

 

 

Die Kindheit (Luca, Michael) Familienfoto

Witold Scibak ist im Jahre 1928 in Thorn in Polen geboren. Er hat eine vier Jahre ältere Schwester. Der Vater arbeitete als Buchhalter beim Militär. Die Mutter kümmerte sich um die Kinder. Als Witold in der 4. Klasse war, fand der Warschauer Aufstand statt und sein Vater wurde verhaftet. Als die Front näher kam, flüchtete seine Familie nach Warschau. Von dort wurden sie von den Nazis nach Deutschland verschleppt.

Die Zeit im KZ (Rebecca, Eliana, Joshua)

Die Familie wurde in Viehwaggons von Warschau nach Deutschland gebracht. Viele Menschen starben schon auf der Fahrt. Der Waggon hielt an und die Gefangene wurden ins KZ getrieben.

Die Männer wurden ins KZ Sachsenhausen und die Frauen ins KZ Ravensbrück gebracht. Im KZ Sachsenhausen verlor Witold seinen Vater aus den Augen. Im KZ gab es sehr wenig zu Essen und deshalb war er extrem dünn und unterernährt. Er hat nur eine Scheibe Schwarzbrot und eine Tasse Schwarztee bekommen; damit musste er 12 Stunden auskommen. Ihm wurden im KZ alle Haare abrasiert und zwar überall. Außerdem hat er eine Nummer bekommen. Die Häftlinge wurden nicht mehr mit ihren Namen angesprochen. Seine Nummer weiß Herr Scibak noch heute und kann diese auf Deutsch sagen.

Danach kam er ins KZ Bergen-Belsen, das als Vernichtungslager bekannt war. Dort kam man nicht lebend raus!

Horgau
Nach einiger Zeit musste er in das Dachauer Außenlager Horgau bei Augsburg. Dort musste Witold die ganze Woche lang in Tag- oder Nachtschicht 12 Stunden Zwangsarbeit für die Firma Messerschmitt leisten. Am 28.April 1945, als Witold Scibak 17 Jahre alt war, wurde er von den Amerikanern befreit.

Bei Greta Fischer im Kloster Indersdorf (Nadine, Katharina)

Nach dem KZ war Herr Scibak sehr abgemagert und hat sich Hilfe gesucht.

angekommen
Er kam ins Kloster Indersdorf zu Greta Fischer, weil er sich sicher war, dass niemand aus seiner Familie überlebt hat. Dort hat er Kleidung bekommen und durfte sich waschen. Mit anderen Waisenkindern hat er an einem Tisch gegessen. Dieser stand in einen Saal der heute Barocksaal heißt.

Freunde
Es waren sehr viele Kinder bei Greta Fischer, die Hilfe gesucht haben, weil sie ihre Eltern im Krieg oder KZ verloren haben.

Herr Scibak hat viele andere polnische Kinder getroffen und mit ihnen eine Pfadfindergruppe gegründet.

Die Kinder haben Unterricht bekommen und fanden es schön, was zu lernen.

Greta Fischer ermöglichte einen Ausflug auf die Zugspitze. Herr Scibak hat einen Stein vom Gipfel der Zugspitze mitgenommen, den er heute auch noch hat aber im Moment nicht findet.

Die Zeit nach Greta Fischer (Antonio, Bengin)

Witold Scibak ist mit 18 Jahren zurück nach Polen gegangen und hat dort seine Schule beendet. Dann hat er Ingenieurwesen studiert. Danach arbeitete er als Architekt und später als Lehrer an der Universität.

Seine ganze Familie hat überlebt, aber der Vater war nach der Befreiung sehr krank. Er hat seine Familie in Polen wiedergesehen. Als er sie wieder getroffen hat, hat er geweint vor Freude. Ein paar Jahre später hat er geheiratet.

 

 

 

 

 

 

 

Merken

Merken

Merken